Polizisten hämmerten nachts an die Tür eines Balaton-Künstlers
Das am Balaton gelegene Balatonboglár ist seit Jahrzehnten nicht nur ein Badeort, sondern auch eine der geheimen Hauptstädte der ungarischen Avantgarde. Hier, in der ehemaligen Kapelle, schuf György Galántai jenes legendäre Atelier, das zum Symbol des ewigen Widerstands gegen die Macht wurde. Für die lokale Gemeinschaft bedeutete dieser Ort zugleich Freiheit und Konflikt mit dem System.
Galántai zeigte bereits als Teenager Mut: 1956 fertigte er russlandfeindliche Schilder an, weshalb auch seine Familie Repressalien erlitt. Später wurde das von ihm in Balatonboglár eingerichtete Kapellenatelier von den Behörden unter dem Vorwurf der Organisation von Massensex geschlossen. Die Einheimischen erinnern sich daran, wie Agenten die Künstler beobachteten und wie ihre Korrespondenz unterbrochen wurde. „Ich hörte, wie die Polizisten riefen: Künstlerherr!“ – erinnert sich an eine zeitgenössische Szene, als sie mit Gummiknüppeln gegen die Tür hämmerten.
Das künstlerische Leben der Balaton-Region bewahrt bis heute Spuren dieser Epoche. Die Schließung der Kapelle erstickte nicht nur eine Ausstellung, sondern brach auch eine ganze alternative Kulturgemeinschaft am Seeufer. György Galántai und seine Frau Júlia Klaniczay betonen auch heute noch, dass die Macht bereits 1990 solches unabhängige Denken als gefährlich ansah.
Balatonboglár schöpft auch heute noch Inspiration aus diesem Erbe – der Geist der Kreativität und des Widerstands am See lebt hier weiter. 🎨🌊
Quelle: telex.hu